Java ist auch eine Insel

Mittwoch, Juni 11, 2008

Buchkritik: Hardcore Java

Robert Simmons. O'Reilly. ISBN 0-596-00568-7. März 2004. 344 Seiten
Warum tut mir O'Reilly das an? Ich setze es ohne Bedenken auf Platz 1 in der Liste der Java-Bücher, die einen völlig verfehlten Titel tragen. Im Vorwort wird noch groß verkündet: „We're talking about difficult but extremely powerful and useful programming techniques like reflection, advanced data modeling, advanced GUI design, and advanced aspects of JDO, EJB and XML-based web clients. This unique book reveals the true wizardry behind the complex and often-mysterious Java environment.“ und dann kommt nur Anfängerstoff und nix von JDO, EJB oder XML. Dafür umso mehr Kindergartenthemen: Jede Klasse ist von java.lang.Object abgeleitet, ein „if“ verträgt auch komplexe Anfragen mit ZWEI Bedingungen oder dass es einen ?-Operator gibt. Echt Hardcore! Des Weiteren deklariert Felder in umständlicher Syntax int[] AN_ARRAY = new int[] {1, 2, 3, 6, 9, 18, 36}; statt einfach nur int[] AN_ARRAY = {1, 2, 3, 6, 9, 18, 36}; Und schließlich 30 Seiten Auseinandersetzung von final. Die Namen der Color-Konstanten sind klein statt groß (gibt es „erst“ seit Java 1.4) geschrieben, und warum der Autor in dem Calendar-Beispiel ausdrücklich nach GMT fragt, ist ebenfalls sonderbar, denn für das Beispiel spielt das überhaupt keine Rolle:

private Date creationDate = Calendar.getInstance(TimeZone.getTimeZone("GMT")).getTime( );

Im nächsten Kapitel über immutable kommt natürlich der Hinweis auf String (immutable) und Point, Date, StringBuffer (nicht immutable), aber wertvolle Hinweise, etwa das immutable-Typen die Entwicklung von multitheaded-Anwendungen massiv erleichtern und immutable Objekte gut in einen Pool passen (wie einige Wrapper-Objekte in Java 5) werden unter den Teppich gekehrt. Immerhin erwähnt er die Unmodified-Wrapper. Weiter zum nächsten Hardcore-Thema, der Collection-API. Mr. Simmons schreibt: „...code is an example of a good interface-based technique:“


public class SomeClass {
HashSet someSet = new HashSet( );
protected Set someMethod( ) {
return this.someSet;
}
}

Der Objekttyp von someSet sollte wohl Set statt HashSet sein. Und warum ist in dem Beispiel die Methode gerade protected? Und someSet paketsichtbar? Da steckt vermutlich Hardcore Java Design-Erfahrung im Code. Na ja, dann hakt das Kapitel noch mal eben alle Hardcode-Collection-Klassen ab. Dass Robert fail-fast von Iteratoren erklärt, ist super, aber dann der nächste Rückschlag bei set.add(new String("p->" + element)). Was soll denn das heißen? Das nächste Kapitel heißt Exception-Handling (in welchem Java-Einführungsbuch steht das bitte schön nicht?) und der Hinweis, dass finally eine gute Stelle ist, um Datenbankverbindungen zu schließen. Das folgende Kapitel ist noch viel härter. Es geht um innere Klassen. Jetzt ist es an der Zeit, sich jeden Satz ganz genau anzuschauen und sich hoch zu konzentrieren. Radio aus, Fernseher aus, Computer aus. Weiter zum nächsten Hammerthema – Konstanten und Internationalisierung. Dass Robert auch Klammern kennt, zeigt er in Anweisungen wie dieser:


double area = (Math.pow(radius, 2) * PI);

(Wie wäre es stattdessen einfach mit radius * radius * 2? Oder wollte er ein Beispiel für größtmöglichen Rechenaufwand leisten?) Um vielleicht ungenauen Pi-Belegungen von Sun über Math.PI vorzubeugen, ist es auch sinnvoller, gleich selbst PI vorzubelegen: public static final double PI = 3.141;. Ist viel viel besser! Im Kapitel werden auch Bit-Felder vorgestellt inklusive der Bit-Operatoren. Bei den anschließenden Aufzählungen und Konstanten-Objekten baut der Autor dann erst einmal das Java 5 enum nach, bis er schlussendlich im letzten Kapitel auch zu Java 5 kommt. Dann kommt aber doch noch ein interessanter Absatz über readResolve() bei der Serialisierung. Immerhin hat Robert verstanden, dass es Klassenlader gibt: „You may think that since the constant object is final and static, this will guarantee that only one instance of each constant object will be in memory. I used to think the same thing until I was blindsided by a vicious bug in a genetic research system.“ Impressive! Im 8. Kapitel geht’s um Datenmodellierung. Kein Java-Thema und auch nur ein paar Seiten. Der Ansatz: „Unterstreiche alle Nomen und du hast Klassen, unterstreiche alle Verben und du hast Methoden“ darf auch nicht fehlen. So hat Robert sicherlich große Enterprise Systeme modelliert. Kapitel 9 hat Reflection zum Thema und etwas zum java.beans Paket. Seine Lust, an alle möglichen finalen Variablen auch final dranzuschreiben, sinkt. Kapitel 10 kommt auf Proxies zu sprechen, und dass die bei CORBA und RMI vorkommen. Nachdem ein selbstgebauter Proxy sich vorstellen darf, kommt es doch noch zu Einsatz vom InvocationHandler/Proxy. Jetzt wird es langsam interessant. Kapitel 10 spricht von schwachen Referenzen. Er implementiert ein


public class WeakHashSet extends AbstractSet implements Set

(warum steht hier implements Set?) und schreibt einen Weak-Listener. Solch ein Konstrukt ist insbesondere in Swing-Anwendungen sehr nützlich, doch hier hätte ich den Hinweis gut gefunden, dass etwa die OpenIDE, also NetBeans, hier schon etwas anbietet. Wo jetzt andere „Hardcore“-Bücher einsteigen ist seines, oh schade, schon zu Ende. Das war eigentlich das letzte Kapitel! Denn Kapitel 12 ist das Abschlusskapitel mit Java 5 und geht auf die Neuerungen ein. Doch seien wir ehrlich: Harte Nüsse wie Generics lassen wir uns viel lieber von einem echten Crack, von Joshua Bloch, in seinem Buch erklären. Dann müssen wir uns nicht Beispiele wie dieses hier anschauen:


class SomeClass<Type> {
Type value = null;
public Type getValue() {
return this.value();
}
public void setValue(final Type value) {
this.value = value;
}
}

Typvariablen sollten immer nur aus einzelnen Großbuchstaben bestehen. Bei einer Deklaration wie Type getValue() sieht sonst Type wie ein ordinären Java-Typ aus. Und warum wird value mit null initialisiert. Das ist doch klar, dass die JVM das mit null belegt. Was zeigt das Buch? Immerhin das O’Reilly den Mut hat, die schlechten Bewertungen auf der Webseite stehen zu lassen und nicht zu löschen. Meine Hochachtung. Bei Amazon sind die Bewertungen aber noch ehrlicher. Mut wird O’Reilly erst dann wirklich beweisen, wenn sie a) den Titel umformulieren, b) sich einen neuen Autor suchen, der das Buch umschreibt bzw. erweitert oder c) – die beste Option für jetzt – das Buch aus dem Sortiment nimmt. 4 Jahre nach Erscheinen wird’s Zeit dafür.

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Dienstag, Juni 10, 2008

Buchkritik: JavaScript: The Good Parts

Douglas Crockford. O'Reilly. ISBN 978-0-596-51774-8. Mai 2008. 170 Seiten

In meinem Alltag habe ich wenig mit JavaScript zu tun (von meinem Visual Foxpro nach JavaScript-Konverter einmal abgesehen), sodass mir das Buch gerade recht kam, um meine JavaScript-Kenntnisse zu vertiefen. Es ist sicherlich nicht für absolute Anfänger geschrieben, doch für Leser mit Grundkenntnissen gut geeignet, tiefer in die Sprache einzusteigen. Techniken wie den Prototyp-Ansatz der Objektorientierung beschreibt Douglas sehr genau, sicherlich etwas zu detailliert für diejenigen, die nur  mal eben" JavaScript für die Webseite einsetzen möchten. (HTML und DOM spielen kaum eine Rolle. JavaScript wird eher als allgemeine Programmiersprache behandelt und weniger als  Webseitensprache".) In seine Beispielen finde ich teilweise den Rückgriff auf Variablen und Methoden aus vorangehenden Beispielen etwas irritierend. Zum Beispiel kommt seine selbstgebaute beget()-Funktion immer wieder vor, doch ohne einen Verweis für Leser, die erst in der Mitte einsteigen und diese Funktion nicht kennen. Seiner Argumentation beim Inkrement-/Dekrement-Operator ++, --, "In my own practice, I observed that when I used ++ and --, my code tended to be too tight, too tricky, too cryptic. So, as a matter of discipline, I don't use them any more. I think that as a result, my coding style has become cleaner." bei den Bad-Parts kann ich nicht folgen, doch sonst erscheinen mit die Bad- und Awfull-Parts recht sinnvoll ausgewählt. Der
Unterschied zwischen == und === enthält tolle Beispiele; Begründungen für die Auswertung wären allerdings schön.

'' == '0'          // false 
0 == ''            // true
0 == '0'           // true
false == 'false'   // false
false == '0'       // true
false == undefined // false
false == null      // false
null == undefined  // true
' \t\r\n ' == 0    // true


Im Anhang stellt der Autor JSLint vor, ein Tool zum Testen der Codequalität von JavaScript-Programmen. Das ist zwar nett, doch hätte

ich freie JavaScript-Bibliotheken (wie etwa Prototype) lieber gesehen. Das Kapitel 4 (Functions) gibt's online.

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Donnerstag, Mai 29, 2008

Buchkritik: Pro Netbeans IDE 6. Rich Client Platform Edition

Adam Myatt. Apress. ISBN 978-1-59059-895-5. Februar 2008, 491 Seiten

Ein aktuelles Buch über NetBeans, welches auf grundlegende aber auch erweiterte Eigenschaften der Entwicklungsumgebung eingeht. Themen sind unter anderem Installation (das 1. Kapitel "Downloading, Installing, and Customizing NetBeans" ist auch online), der Editor, Einstellungen, Projektangaben, Gui-Bilder, Debugging, Profiling, Versionsmanagement, JUnit, Refactoring, Datenbankbrowser, Qualitätsprüfung. Dass das Buch auf der aktuellen Version 6 aufbaut, zeigt sich insbesondere an den letzten Kapiteln, in denen es JRuby und Rails, Web-Services, BPEL, REST, dem Swing-Application Framework und Beans Binding zur Sprache bringt. Dem Autor ist das Kapitel über Swing aber lieber gewesen, denn hier beschreibt er ausführlicher die Technologie, während bei Web-Services nur Einträge in den Dialogen aufgezählt werden, aber nicht erklärt wird, was diese eigentlich sollen. Aber das ist wohl immer der Fall, wenn ein Buch nur zeigen möchte, WIE man mit der IDE etwas macht, aber nicht warum. Für welche Käuferschicht das Buch am Besten geeignet ist, ist schwer zu beantworten. Erfahrene Entwickler, die schon einige IDEs kennengelernt haben (Eclipse, JDeveloper, ...) werden mit NetBeans keine Probleme haben. (Aus der Java-Community gibt es vielfach die Meinung, NetBeans ist viel einfacher zu bedienen als Eclipse.) Daher bekommt man mit etwas Rumklicken und aufmerksamem Lesen die meisten Sachen schnell raus, zumal die Webseite von Sun voll von Tutorials insbesondere für die fortgeschrittenen Themen ist. Wer ein Gespür für Entwicklungswerkzeuge hat, und gerne Online-Tutorials liest, wird mit http://www.netbeans.org/kb/ auch glücklich. Zumal bei Sun Artikel zur Java ME-Entwicklung, C(++) oder UML-Modellierung stehen, die das Buch überhaupt nicht ankratzt. Schade eigentlich, denn vermutlich dürfte UML für die meisten Leser interessanter sein als einen BPEL-Web-Service auf Glassfish zu deployen. Das letzte Kapitel „Developing Rich Client Applications“ hat aber nichts mit der Entwicklungsumgebung selbst zu tun, sondern stellt kurz das NetBeans RCP vor. Hier ist die Zielgruppe eine völlig andere. Denn der Bediener einer IDE ist nicht unbedingt einer, der mit dem RCP Desktop-Anwendungen schreibt. Sehr fragwürdig ist daher auch der Titel „ Rich Client Platform Edition“; hier ist man verleitet anzunehmen, dass es ein Buch über das RCP-Framework ist. Doch nein, es ist nur ein Buch über die Bedienung einer Entwicklungsumgebung.

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Dienstag, Mai 20, 2008

Buchkritik: Java EE 5 Development using GlassFish Application Server

David Heffelfinger. Packt Publishing. ISBN 1847192602. Oktober 2007. 408 Seiten

Trägt ein Buchtitel eine Technologie und gleichzeitig ein Produkt im Namen, ist das eine schwere Mischung. Entweder wird auf die Administration des Servers eingegangen, oder wir finden ein Lehrbuch, das nur Beispiele lauffähig auf einem speziellem Produkt vorweisen kann. Heffelfingers Werk gehört in keine Kategorie. Der Bezug zu Glassfish ist minimal, und wer mehr sucht als eine kleine Installationsanweisung – die es auch im Netz bei Sun gibt –, wird enttäuscht. Da die sauberen Java EE Beispiele den Entwickler nicht an einen speziellen Container binden, sind seine Quellcodes auch auf JBoss oder Geronimo ablauffähig. Wer nun Java EE lernen möchte, ist sicherlich darin interessiert, seine Beispiele zumindest auf einem Server laufen zu sehen. Aus Sicht der Zielgruppe eines Buches wohl eher unnötig einschränkend.

Didaktisch und fachlich gibt es das ein oder andere zu bemängeln. Einige Quellcode-Snippets bekommen ihr @Override vor den überschriebenen Servlet-Methoden, andere nicht. Und warum wird der String-Konstruktor laienhaft verwendet?

application.setAttribute("applicationAttribute", new String( "This string is accessible accross sessions."));

Oder parameterName aus String deklariert, aber später dennoch einmal explizit gecastet?

String parameterName = (String) initParameterNames.nextElement();
out.print(config.getInitParameter((String) parameterName));

Oder ein StringBuffer statt der guten allen String-Konkatenation eingesetzt?

@Override public String toString() {
StringBuffer fullNameBuffer = new StringBuffer();
fullNameBuffer.append(firstName);
fullNameBuffer.append(" ");
fullNameBuffer.append(lastName);
return fullNameBuffer.toString();
}

Hier ist ein return firstName + " " + lastName; doch wirklich angenehmer zu lesen und auch die Performance gar nicht schlechter.

Ebenso heiße ich es nicht für sinnvoll, auf das MVC-Konzept auch bei JSP/Servlets zu verzichten. Didaktisch dürften JSPs eher vor Servlets Sinn ergeben. JSPs gehen mir auch zu früh runter auf implizite Objekte und eine Skriptlet-Ebene ohne früh schon EL und die Standard-TagLib zu erklären. Die web.xml-Datei bekommt auch immer unterschiedliche Schema-Dateien und Versionen untergeschoben: Einmal 2.4, dann wieder das aktuelle 2.5. Beim Fehlerhandling findet sich:

StringWriter stringWriter = new StringWriter();
PrintWriter printWriter = new PrintWriter(stringWriter);
exception.printStackTrace(printWriter);
out.write(stringWriter.toString());

Warum der Autor nicht einfach exception.printStackTrace(new PrintWriter(out)); schreibt, ist mir ein Rätsel. (out ist ein JspWriter extends Writer und printStackTrace() möchte einen PrintStream oder PrintWriter.) Dann ist die Definition einer Bean falsch: „All of its variables must be private.” Die von Properties verwendeten Attribute sind in der Regel private, aber sie müssen es nicht sein. Auch sind natürlich public static final-Konstanten erlaubt. (Wunderbar, dass ausgerechnet im zugehörigen Beispiel die Variablen nicht private sind, sondern paketsichtbar.)

Die Datenbank ist mit zehn Tabellen vielleicht für Einstiegerbeispiele doch etwas zu kompliziert. Als Leser ist man erschrocken, plötzlich ein Servlet zu sehen, welches an die Datenbank geht und SQL-Anweisungen ausführt. Warum sieht man so einen Wahnsinn noch im Jahre 2008? Die Datenbank-Connection wird zudem nicht korrekt im finally-Block geschlossen. Es reicht, auf Seite 120 gebe ich auf und wage den Wiedereinstieg auf Seite 347. (Übersprungen werden Standard TagLibs, JSF, JMS, Security, EJB, Web-Services.) Zum Abschluss ein kleiner Höhepunkt: Heffelfinger geht praktisch auf Facelets ein und zeigt auch ein Beispiel für das Templating, ein Weiteres für Ajax4jsf und JBoss Seam findet sich ebenso. Ein erneuter Lichtblick: Der Autor verwendet vorbildlich die vorgesehene Dateieindung .jspf für inkludierte JSP-Fragmente. Dann noch etwas IDE-Integration (NetBeans und Eclipse) und der Spuk ist vorbei.

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